Garten

Foto: AONH

Ein Weg durch den Garten

wo sich die Ostsee und das Achterwasser nahe kommen, zwischen den Ortschaften Koserow und Zempin, künden, von weitem schon auffallend, hochstrebende Pappeln und eine geduckte Umhegung von einem Anwesen. Kommt man näher, leuchten hinter Büschen und ausladenden Eichen weiße Mauern, erkennt man ein flaches Gebäude mit Oberlichtern. Lüttenort ist die Lebens- und Wirkungsstätte des Malers Otto Niemeyer-Holstein, der als eigenwilliger  Gestalter ein Refugium schuf, wie es im Norden seines-gleichen sucht. Auffällig sind die verschiedenen Öffnungen des Gartens - Raum und Bühne für Plastiken von Freunden des Künstlers:
Fritz Cremer, Waldemar Grzimek, Wieland Förster, Werner Stötzer, Jo Jastram, Sabine Teubner, Peter Kern und Peter Makolies. Die Plastiken wurden geschenkt oder gegen Bilder getauscht; wie selbstverständlich fügen sich diese unterschiedlichen Werke in die Landschaft des Gartens ein. Oft wurde gemeinsam der Standort besprochen und Lüttenort wurde zum Großraumatelier, in dem nicht nur  Bildhauer und Maler, sondern auch befreundete Musiker, Schauspieler und Schriftsteller miteinander ins Gespräch kamen, über Kunst diskutierten, zusammen segelten, musizierten und einander anregten.

Otto Niemeyer-Holstein:
„wenn ich je einen Garten anlege, sagte ich mir, so müßte er sein, eine Kombination von Kulturgarten und natürlichem Park... Aber nicht die Pflanzen und ihre Anordnung allein waren es, die mir so gut gefielen, sondern die Möglichkeit, Natur und Kunst in eine spannungsvolle Beziehung zu bringen, Plastiken zwischen Bäume zu stellen, Mauern zur Gliederung zu nutzen, Durchblicke zu schaffen, Weich und Hart sich umspielen zu lassen.“

Dieses Zusammenspiel von Plastik und Landschaft faszinierte ihn und blieb als Anregung für die Zukunft wach. Später wurde es geradezu zwingend, „sich die für die Arbeit notwendigen Bedingungen zu organisieren“, einen vielfältigen Garten zu schaffen, der in seinen Rhythmen dem ständigen Wandel Ausdruck gibt und dazu beiträgt, die atmosphärischen Voraussetzungen zur Arbeit herzustellen.
Alles zeugt vom spielerisch-schöpferischen Tun eines Künstlers, dem die Natur sich wie von selbst arrangiert, noch das unauffällig Zufällige zu einer Orientierung und damit zu einem Teil seines Lebens wurde und zu einem unerschöpflichen Reservoir für seine bildnerischen Findungen.
In Lüttenort lebte er seinen persönlichen Lebensentwurf, die Stationen vorher gliedern sich in diesen Zusammenhang wie Bausteine. Durch Plastiken, Fundstücke, Proportionen und die dem Gestalter eigene Betrachtungsweise der Dinge ist das Anwesen vielbildlich, ein Hohelied auf alles diesseitige, schöpferische und lebendige.

 

Foto: AONH
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